Adveniat lumen tuum

Es gibt viele weltbekannte Komponisten: Mozart, Beethoven, Haydn, Bach, um nur einige Klassiker, die auch Kirchenmusik geschrieben haben, zu nennen.
Dann gibt es viele neue Komponisten, die noch nicht so bekannt sind.
Den Namen des Komponisten Thomas Gabriel habe ich zum ersten Mal mit Bewusstsein im Jahre 2005 gehört. Er hatte die „Missa Mundi“ komponiert, die Abschlussmesse zum Weltjugendtag in Köln. Schon damals, vor vier Jahren sprach mich diese Musik an, die ja eigentlich für eine Messe mit Jugendlichen geschrieben war, zu denen ich schon lange nicht mehr gehöre.

In dieser „Missa Mundi“ (mundus – die Welt) fanden sich musikalische Elemente aus allen Erdteilen. Es war für meine Ohren die erste Messe, in der das Didgeridoo zum Einsatz kam. Diese „Messe der Welt“ verband die Jugendlichen, die aus aller Welt nach Köln gekommen waren, mit ihrem Papst „Benedetto“, der das Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem ganzen Erdkreis ist.

Herr Thomas Gabriel lebt aber nicht irgendwo auf der Welt, sondern in Seligenstadt in Hessen. Dort ist er Regionalkantor für die Dekanate Offenbach, Rodgan und Seligenstadt. Er ist befreundet mit unserem Regionalkantor, Herrn Bernhard Nick aus Radevormwald. Aufgrund dieser guten Verbindung hat Herr Gabriel im Jahre 2005/6 die „Missa Terra Supermontale“, die Messe des Oberbergischen Landes, komponiert. Diese Messe wurde am 4. Februar 2006 von 15 Chören aus den Dekanaten des Oberbergischen Kreises und des Kreises Altenkirchen in St. Peter und Paul in Engelskirchen aufgeführt. Jetzt hatten Herr Nick und Herr Gabriel sich die Aufgabe gestellt, einen Gottesdienst in der Form eines Stundengebetes zu schreiben und zu komponieren. „Adveniat lumen tuum“- dein Licht soll kommen – ist ein komplett durchkomponierter Gottesdienst. Die Musik wird nur einmal durch die Lesung unterbrochen. Diese Lichtfeier besteht aus liturgischen Gebeten und Psalmen und wendet sich an den Heiligen Geist. Deshalb war der Abend vor Pfingsten als Tag der Welturaufführung gut gewählt.

Im Oktober 2008 hatte Herr Gabriel in Seligenstadt dieses gesungene Chorgebet den interessierten Chorleitern, Chorleiterinnen und einigen Sängerinnen und Sängern vorgestellt. Mich haben Text und Musik schon beim ersten Hineinschnuppern angesprochen.

Seit Ende des Jahres, spätestens nach Weihnachten probten fast alle Chöre zwischen Altenkirchen, Radevormwald, Lindlar und Eckenhagen für die gemeinsame Aufführung in St. Franziskus, Gummersbach. Man konnte immer wieder in der Kirchenzeitung lesen, dass sich auf Seelsorgebereichsebene Chöre zum gemeinsamen Üben trafen. Auch die Sänger aus unserem Seelsorgebereich trafen sich zweimal in Dieringhausen zu sehr effektiven Proben.

Dann war es soweit. Unter der Leitung des Komponisten, Herrn Gabriel wurden nach den Einzelproben die Chöre zusammengefügt. Angemeldet waren etwa 600 Sänger. Die Gummersbacher Pfarrkirche war übervoll. Und nach zwei Stunden Probe waren die kleinen Unterschiede zwischen den Chören nicht mehr zu hören. Um 20.00 Uhr begann die Vigilfeier zu Pfingsten. Neben den vielen Sängern hatte auch noch einige Gemeindemitglieder Platz gefunden.

In der ersten halben Stunde sangen vier junge Damen mit herrlichen Stimmen, sie kamen aus dem Bistum Essen, „Gospel Music of King Solomon“, biblische Worte aus dem Buch der Sprichwörter, auch vertont von Thomas Gabriel. Dann begrüßte Herr Pfarrer Klauke die Anwesenden mit einer Einstimmung auf Pfingsten.

Danach vereinten sich die Stimmen der vielen Hundert Sänger und zweier Solisten zum gewaltigen Lobe Gottes. Begleitet wurden die Sänger von einem E-Piano. An manchen Stellen weitete die Orgel den Klangraum, dazwischen überhöhte immer wieder der Klang einer Oboe das Geschehen des Chores.

Die Musik ist ein durchgehender Klang, nur unterbrochen durch die Lesung, die wiederum eingebettet war in ein gewaltiges „Halleluja“.

Ich habe einige der Mitsänger und auch der Zuhörer gefragt, welcher Teil des Gesamtwerkes sie besonders angesprochen hat. Immer wieder wurde der Text von Roger Schütz „In der Nacht der Finsternisse“ genannt. Dieser Abschnitt hatte ja auch der Vesper den Namen gegeben, dazu wurde er von der Symbolik des „Lichtanzündens“ begleitet. Die sieben Kerzen waren außerdem ein Zeichen für die sieben Gaben des Heiligen Geistes.

Ich habe diese Pfingstvigil von der Eröffnung bis zum „Magnificat“, das ja in jede Vesper gehört und dem abschließenden „Ehre sei dem Vater“ gerne gesungen.

Mir ist an diesem Abend klar geworden, dass auch ein Gottesdienst, der keine Eucharistiefeier ist, ein schönes, auch die Menschen beglückendes Lob Gottes sein kann.

Irmgard Röttgen

25. Juni 2009 - Beitrag von Irmgard Röttgen